In tiefer Trauer um einen Freund und Genossen - ein Nachruf für Sascha Wagener

Am Sonntag starb unser Weggefährte Sascha Wagener. Wir sind zutiefst geschockt und fassungslos. Die folgenden Zeilen sollen der Versuch sein, in dieser schweren Situation würdigende Worte zu finden.

Es war wohl 2003, nach einer langen Länderratssitzung des Jugendverbandes, als ich Sascha auf der Autofahrt von Hannover nach Berlin kennen lernen konnte. Wir stritten energisch über Grundsätzliches. Bei all dem Eifer vergaßen wir ein kleines Detail: Die Tankanzeige. Als wir einige Minuten später die Signallampe im Lenkrad sahen, war die nächste Tankstelle noch über 50 km vor uns. Saschas französische Chansons halfen mir, die Entspanntheit zu wahren.

Die Tanknadel war längst am Anschlag, als unzählige Minuten später am Horizont die Tankstelle sichtbar wurde. Und nun das. In großen Lettern prangte es am Straßenrand:

"Shell".

Sascha sah mich kurz an. Ganz unbekümmert sagte er wie selbstverständlich: "Daniel, ich tanke nicht bei Shell!".

Manche hätten in dieser Situation eine Ausnahme gemacht. Andere hätten wohl wenigstens einige Liter gezapft. Sascha aber wäre eher liegen geblieben als seine politische Kritik für ein paar Tropfen Benzin zu verkaufen. Sascha hatte keine Prinzipien - er lebte sie.

Auf Saschas Vorschlag hin organisierten wir gemeinsam einen Liederabend im Roten Laden. Sascha redete über Komponisten, ich spielte am Klavier. Das Singen übernahmen die Gäste. Als Sascha für den Bezirksvorstand der Partei kandidieren wollte, hielt ich auf der Wahlversammlung seine Fürrede. Seine Freude über die Wahl war groß. Diese Herausforderung war aber nichts gemessen an dem, was ihm noch an Belastungsproben bevorstehen sollte, als er schließlich in den Bundesvorstand unserer Partei gewählt wurde.

Sascha war ein großes politisches Talent. Er war zuallererst von Idealismus denn von Geltungsbedürfnis getrieben. Für gesellschaftliche Veränderung war er hart zu arbeiten bereit - und verdaute so manchen Schlag in die Magengrube. Seine kluge, vor allem aber menschliche Art Politik zu entwickeln, war für den Verband eine große integrative Bereicherung.

Sascha war der Inbegriff des Internationalisten, geistig offen und immer diskussionsfreudig. Ich durfte in ihm jemanden kennen lernen, der sein Leben nicht auf die Politik beschränkte, der sich seine Begeisterung für die Vielseitigkeit bewahrte.

Als ich 2006 mit Sascha am Europäischen Sozialforum in Athen teilnahm, hatten wir uns an einem Aussichtspunkt auf die Brüstung gelehnt. Wenige Meter weiter spielte ein kleines Mädchen mit einem großen beweglichen Fernrohr. Sie drehte es willkürlich nach links und rechts. Plötzlich sagte sie zu ihren Eltern: "Da ist irgendetwas Rotes!" Sascha fiel es schwer, sich wieder einzukriegen. Sie hatte seine Haare gesehen.

Schon seit Ewigkeiten hatten Sascha und ich eine Revanche im Schach geplant. Wir haben zu lange gewartet.

Unsere Gedanken und unser Beileid sind jetzt bei seiner Familie und seinen Nächsten.

Sascha wird uns immer fehlen.

In tiefer Trauer
Daniel